Von Amman über den Sinai nach Kairo (Teil II)

Was bisher geschah.

Die Reise von Amman führt mit etlichen Verspätungen und einem Zwischenstopp in Kairo dann doch auf den Sinai nach Sharm el Sheik.

Eine kleine Auffälligkeit:

Wenn man mit einem Koffer in Amman das Flughafengebäude betritt, gibt es nur eine sehr schnelle Prüfung des Koffers mit einem Scanner, hinter dessen Bildschirm ein dösender Mann sitzt. Danach muss der Koffer zur Gepäckaufgabe gebracht werden.
Erst dann geht es zum Check-In.
Wer seinen Koffer einfach nicht aufgibt wird trotz mehrfacher Kontrolle nicht aufgehalten. Wir haben versehentlich alte Bordkarten vorgezeigt. 3 Leute haben kontrolliert, aber nichts gesagt.
Beim Boarding hat ein Passagier dann gesagt er hat vergessen den Koffer abzugeben und ob der den Koffer „ausnahmsweise“ mit ins Flugzeug nehmen darf. Es wurde erlaubt.
Das ist mir aber erst während des Fluges alles in den Sinn gekommen. Sonst war der Flug ruhig und angenehm. Es gibt sogar was zu essen.

Sandsturm im Kairo

Bei der Landung in Kairo sieht es aus als würden wir in einem Sandsturm landen.
Das Flugzeug ist schon deutlich volljährig. Ein Fenster hat außen einen Riss und über Lars tropft etwas.
Vermutlich Wasser, getestet haben wir es aber nicht. Wir sind jedenfalls gut gelandet und stehen eine Weile auf dem Taxiway.

Die Passkontrolle geht schnell und unser Gepäck ist durchgeroutet. Nur die Visa-Marken müssen wir kaufen…

Lächerliche 25$ pro Stück. Aber was soll’s…
Wir warten an Gate F32 und schließlich geht es zusammen mit einer ebenfalls nach Sharm el Sheik reisenden spanischen Reisegruppe los.

Zwischenlandung in Kairo

Der Flug nach Sham El Shaik ist easy. Die Maschine relativ alt und klapprig, aber alle sind nett. Schon ein Unterschied zu Jordanien.
Da ist alles nicht so “durchprofessionalisiert” wie in Deutschland, aber immer noch deutlich professioneller als Ägypten.

Gerade gelandet spricht uns auch schon der erste Taxifahrer an. Nachdem die spanische Reisegruppe per Bus abgeholt wurde, waren wir die einzigen alleinreisenden.

Es werden lange und zähe Verhandlungen, bei denen er uns zwei mal über den Parkplatz nachläuft und dabei von seinen vielen Kindern, Frauen und stundenlangem Warten in der Sonne erzählt. Er möchte meinen angebotenen Fahrpreis nicht akzeptieren.

Irgendwann bin ich genervt und sage: “Danke, Du nimmst mein Angebot nicht an, ich finde schon einen Fahrer.”
Er ist dann leicht bockig, fährt uns dann aber doch für den Preis.
Alles ist touristisch ausgebaut, die Straßen gut und die Fahrt ruhig.
Weil der Fahrer schmollt, fällt die obligatorische Werbeveranstaltung für Ausflüge aus.

Ich habe gute Laune.
Wohlgemerkt: Wir haben immer noch den doppelten einheimischen Preis bezahlt, nicht aber den 10-fachen Touristenpreis.

Im Hotel angekommen, können wir schnell ins Zimmer. Es sind 36 Grad und ich stelle die Aircon an. Eine Wohltat.
Wir ziehen gleich unsere Schwimmsachen an. Auf dem Weg zum Pool nehmen wir ein Sturzgetränk und Baden erst mal.
Sehr erfrischend!

Der erste Tag

Wir schlafen gut in einem kühlen Zimmer.

Das Frühstück im „Restaurant Sharahzad“ ist gar nicht mal so toll.
Saft und Milch sind verdünnt, der Ägyptische Honig schmeckt wie Vegemite, hat eine Farbe wie Zuckerrüben-Sirup und eine Konsistenz wie Wasser. (Später frage ich mich wie Bienen hier überhaupt Honig produzieren können.)
Egal, einfach “ägyptischen Honig” vermeiden. Das Land und vor allem die Ägyptische Küche haben so viel zu bieten… wer braucht da schwarzen Honig.

Restaurant Sharahzad

Nach dem Frühstück hole ich mein Telefon und will mich auf die Terrasse vor dem Restaurant setzen. Mir fehlt nur ein Kaffee.
Ich gehe ins Restaurant, weil ich aber kein T-Shirt anhabe darf ich nicht rein.
Ich wickle mir einen Umhang aus meinem Handtuch und trage „Beduine -Style“ dann geht’s.

Lustige Leute.
Dann passiert das unglaubliche: Lars und ich können zeitgleich ins Internet.

Das ist was besonderes, denn alle Gäste teilen sich gefühlt eine 1 Mbit Leitung über ein schwaches WLAN.
Später holen wir uns Flossen und tragen den Sonnenschutz auf.
Wir gehen direkt über den Steg und mit Maske und Flossen ins Wasser.
Der Strand ist klein und übersichtlich.
Vom Ufer aus muss man ca. 50m über einen Schwimm-Steg gehen. Hierbei wird ein ganz flaches Gebiet geschützt, in dem schöne Korallen vorhanden sind.

Direkt unter dem Steg geht es fast senkrecht, erst ca. 6m, dann richtig tief nach unten.
An der Kante zum Einstieg sind jede Menge Fische.
Ich mache mit der Kamera einige Video und Foto-Aufnahmen.
Lars kommt dazu und wir schnorcheln über eine Stunde.

Toll! Tolle Bilder! Tolle Fische.

Zum Mittag gib es Pizza. Die wird jeweils frisch gebacken. Weil so wenige Gäste da sind dauert das immer nur ca 10 Minuten. Lars und ich trinken eine Virgin-Margarita.

Nachmittags sind sogar Liegen frei und wir lagern unser Zeug um. Der zweite lange Schnorchel-Gang ist genauso toll.
Leider zeigt meine wasserdichte und Schnorchel-erprobte Panasonic Kamera nur „Kartenfehler“ an.

Später sehe ich das die Dichtigkeit offenbar nachgelassen hat. Schade!
Im Zimmer geht die Kamera gar nicht mehr an. Ein kurzer Ladevorgang bringt keinen Erfolg.

Ich hoffe, die Karte hat es überlebt. (Später stellt sich heraus: Hat sie nicht.)

Lars ist bis nach Sonnenuntergang im Pool und hat Spaß.Abends sitzen wir an der Bar, bevor es zum Essen geht.
Das Essen ist heute Fleischlos und der Saft mit Pulver angerührt.
Wegen des guten Essens kommt sicher niemand hier her.

Wir setzen uns abends in die Lobby. Der einzige Ort an dem man annähernd 60 kbit Downstream hat.

Die Boots-Tour

Heute machen wir eine Schnorchel-Tour mit einem Boot.
Wir treffen uns um 07:45 in der Hotel-Lobby und fahren ca 15 Minuten mit dem Bus zum Hafen.
Reges Treiben, viele Boote, viele Menschen: Au weia – Hunderte Touristen…
Doch wir haben Glück: Auf unserem Boot sind nur 8 Personen und die Crew.
Alle scheinen Ruhe und Erholung zu suchen. Auf anderen booten wird laute Musik schon im Hafen gestartet.

Die Treppe zum Sonnendeck

Die Boots – Crew ist sehr nett und Lars kommt sofort mit dem Captain ins Gespräch.
Es dauert nicht lange und er darf dem Captain assistieren und das Schiff steuern.

Geplant sind 3 Stops mit jeweils geführten Schnorchelgängen und einem Imbiss nach dem 2. Gang .
Beim ersten Gang hat Lars Probleme mit der Maske.
Wir sind ca 300m weit vom Schiff weg und er kann nicht mehr. Der Guide sieht uns nicht und die Gruppe zieht weiter.

Ich ziehe Lars fast bis zum Schiff zurück und wir gehen erschöpft an Bord.
Später kommt Lars an und erzählt das er Tauchen dürfe, mit Flasche und Dive-Partner und so.
Ich bin erst skeptisch. Braucht man da nicht eine Ausbildung oder so?

“Das machen wir alles unter Wasser. Der Lehrer spricht etwas englisch, kann aber auch Handzeichen”
Ich frage nach und erfahre das der Anbieter Ausbilder für Padi Kurse ist.
Für ein paar US $ würde er Lars zu einem 15 Minuten Test-Tauchgang mitnehmen.
Lars ist voll dafür.

Nach kurzem Papierkram geht es los.

Die trockene Einweisung dauert nicht unnötig lange.

Die beiden schwimmen weg … und tauchen ab.

Nach 15 Minuten kommen Sorgen auf. Was habe ich getan, aber alles ist gut.
Die beiden tauchen auf und Lars ist happy.
Der Lehrer lobt Lars. Er ist nicht wie ein Kind das herumspielt, sondern verhält sich mit Bedacht und beachtet das Erlernte.

Toll.
Der 2. Stopp ist ein Drift-Stop.
Lars bleibt an Bord. Ich schwimme mit der Gruppe los und wir werden nach 30 Minuten wieder eingesammelt. Es gibt viel zu sehen.

In der Zwischenzeit wird an Bord der Grill gestartet. Es gibt sehr leckeres Essen. Hühnchen vom Grill, Fisch vom Grill Salate und Brot.

Lars wäre bereit für einen zweiten Tauchgang. Der Lehrer sieht in einem zweiten Tauchgang kein Problem, wenn Lars sich fit fühlt.

Gesagt getan. Diesmal gehe ich mit ins Wasser und verfolge die beiden.

Leider ist die Panasonic Cam gestern ja final kaputt gegangen. Ich kann aber ein Crew-Mitglied mit etwas Bakschisch überzeugen einige Bilder mit seiner Kamera zu machen.

Ich bin voll beeindruckt. Lars wirkt sehr ruhig und ist voll konzentriert.
Der Lehrer lässt ihn teilweise minutenlang los und schwimmt nur nebenher.
Lars posiert in 5m Tiefe am Riff als hätte er nie was anderes gemacht…

Ein Keks hilft gegen die blauen Lippen

شكرا يا صديقي Award Ahmed und Lars glücklich nach dem 2. Tauchgang

Lars sagt der Tag heute ist eine 10 auf einer 10‘er Skala !!!
Besser geht es nicht. Ich bin zufrieden.
Zurück im Hotel gehen wir noch in den Pool, dann duschen und um 19:00 ins El Basha, das libanesische Restaurant im All In Bereich. (Ich habe mit etwas bakschisch für heute noch eine Reservierung bekommen können)

So müssen wir das Essen in der Speise-Halle nicht einnehmen.

Essen im Al Basha

Der letzte Tag in Sharm el Sheik

Wir sind Früh wach. Das Zimmer ist eiskalt und ich mache die Klima aus.
Wir schlummern noch etwas, dann geht es zum letzten Frühstück im LaBranda.

Heute gibt es (wieder) French Toast und Früchte-Marmelade ohne Früchte. Wir gehen zurück und packen den Koffer.
Leider wurde beim Hinflug ein Rad an meinem Rimowa Multiwheel beschädigt. Die Halterung wurde so verbogen, das sich das Rad zwar noch dreht aber nicht mehr rotieren kann. Das muss repariert werden, denn nicht mal Schrittgeschwindigkeit ist so möglich!

An der Rezeption ist Ezzat. Er ist ein lustiger Typ und eine Bereicherung für das Hotel.
Er lässt einen Hammer holen. Ich bräuchte eigentlich auch einen Schraubendreher, habe aber keinen.

Im Portemonnaie finde ich ein 2 Euro Stück.

Das passt genau. Einige Schläge und die Halterung rutscht wieder rein und alles ist ok. Jetzt fehlt nur noch eine Popp-Niete und alles ist wie neu.
Mache ich zuhause. Danke Ezzat!

Wir sitzen in der Lobby und warten aufs Taxi.

Taxi zum Airport

Was auf dem Hinweg geklappt hat gelingt wieder: Taxi für 200 EGP. Nur ohne Geschrei.

Auf der Straße vor dem Flughafen müssen wir etwas warten. Dann kommen verschiedene Passkontrollen, manuelle Kontrollen, Bomb-Checks und Polizei, die ins Auto schaut.

Lars reicht routiniert unsere Pässe dem Polizisten aus dem Auto heraus. Der zeigt auf Lars und ruft: „you no!“ .
Lars entgleiten kurz die Gesichtszüge, dann kommt das Kommando: „Only Joke“

Haha.
Damit hat keiner, auch unser Fahrer nicht gerechnet.
Endlich sind wir durch die Sicherheit und kommen in den Domestic-Flights-Warteraum.

Lars hat Hunger.
Ein leckeres Tomate – Mozarella Sandwich hilft.
Wir fliegen los nach Kairo.

Wie geht es weiter?
Kommen wir in Kairo an?
Was wird der Polizist abends seiner Frau erzählen?
Alle diese Fragen und noch viel mehr kann man in Teil III lesen. (Naja, fast alle)

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